Rundumschlag gegen die pharmazeutische Industrie

Mit geballter medialer Kraft und dramarischer über eine Woche laufende Vorankündigung berichtete das ZDF eine Stunde lang in Frontal 21 am 09.12.008 über die „Machenschaften des Pharmakartells" und ließ die stets bei solchen Gelegenheiten auftretenden selbsternannten Pharmakritiker, die persönlich sehr gut von solchen „Kritiken" leben, zu Wort kommen.

Dem genauer hinhörenden Zuschauer sollte dabei aufgefallen sein, dass es sich hierbei um genau zwei Pharmaunternehmen mit drei Präparaten handelte, über die dann auf die brutale Vorgehensweise der Pharmaindustrie rückgeschlossen wurde. Die genannten Fälle sind sicher zuviel, aber das ist nicht die Pharmaindustrie! Es ist in diesem Zusammenhang traurig zu hören und zu sehen, dass der Vorsitzende einer Kassenärztlichen Vereinigung davon sprach, wie Pharma-Manager ihm gegenüber die Contenance verloren hätten, ohne allerdings Ross und Reiter zu nennen und gleichzeitig die Pharmaindustrie der Mafia gleichsetzt und von Morddrohungen ihm gegenüber sprach. Auffallend, dass gerade derselbe Kassenarztvertreter es (zu Recht) nicht leid wird, ständig z. B. bei Meldungen über betrügerisch abrechnende Kassenärzte immer von Einzelfällen zu reden und darauf hinzuweisen, dass das nicht die Ärzteschaft sei. Auch der Redakteur von Frontal 21, Herr Kroll, vergisst niemals bei solchen Recherchen den Hinweis, dass der größte Teil der Ärzteschaft seriös abrechnet. Genauso wenig würde man allgemein auf mafiöse Strukturen in der Kassenlandschaft schließen, wenn über korrupte betrügerische Krankenkassenmanager berichtet wird.

Dass durch solche Pauschalurteile das Vertrauensverhältnis zwischen Ärzten mit ihren Arzneimitterlverordnungen und den Patienten nachhaltig gestört wird, scheint niemanden zu interessieren. Es bleibt stets unerwähnt, dass gerade die pharmazeutischen Unternehmen jährlich Millionen Spenden in bar oder Sachleistungen den unterentwickelten Ländern zur Verfügung stellen oder bei Naturkatastrophen stets mit zu den Ersten gehören, die Hilfeleistungen stellen und dass eben diese Industrie seit Jahren für milliardenschwere Exportüberschüsse in Deutschland sorgt. Es ist überhaupt nicht zu bestreiten, dass Pharma- unternehmen vom Verkauf ihrer Produkte leben und Hunderttausenden von Mitarbeitern so ihre Existenz sichern, dafür müssen sie auch Erfolg haben, aber ganz sicher nicht nur so, wie in dieser skandalösen Sendung angeprangert. Es wurde niemals erwähnt, dass von den mehreren tausend Pharmaherstellern eine verantwortungsvolle, ehrbare und anständige Arbeit geleistet wird, mit deren Ergebnissen die heutige Ärzteschaft oftmals erst zu überragenden Therapieerfolgen kommt! Arzneimittel sind aber keine Lutschpastillen, selbst mit Salz oder Schokolade kann man sich umbringen, trotzdem würde niemand auf die Idee kommen, diese als lebensbedrohlich anzusehen. Um jedoch nicht missverstanden zu werden, Arzneimittel gehören engmaschig beraten und überwacht, dafür muss den Außendienstmitarbeitern aber auch die Chance eingeräumt werden, sie sind der einzige unmittelbare Kontakt zwischen Hersteller und Verordner, sie als Kostenfaktor zu diffamieren, ist unseriös und gefährlich! Die Pharmakovigilanz wird dadurch ad absurdum geführt! In Rabattverträgen ausgeschriebene Arznei- und Heilmittel sind in der Ausschreibung nur nach dem Preis zu berücksichtigen, das ist patientengefährdend! Als langjährig im pharmazeutischen Außendienst tätig gewesener ehemaliger Mitarbeiter mit Führungserfahrung im Personalbereich und Finanzverantwortung wehre ich mich gegen diese Art von Pauschalisierung. Wir sind keine Mafiosi!!

Die Tatsache, dass Patientenorganisationen von der Pharmaindustrie finanziell unterstützt werden, sollte man genauso wenig pauschal diskreditieren, wer sollte diese Mittel sonst wohl bereit stellen, etwa die Gesundheitspolitik, Ärzte oder Krankenkassen oder Medien?? Es gibt genügend Beispiele, dass pharmazeutische Unternehmen diese Patientenzusammenschlüsse sponsern, ohne überhaupt nur auf den entsprechenden Indikationsgebieten tätig zu sein! Und wer sonst sollte auch die ärztliche Fortbildung finanzieren?? Die Ärzte selber oder die Krankenkassen?

Diese ideologisch gefärbte verallgemeinernde Darstellung des „Pharmakartells" ist in sich ein Skandal, mögen die verantwortlichen Macher nur hoffen und beten, selbst niemals Arzneimittel einnehmen zu müssen!

Erhard Jörgens
Health-Manager-Pharma (HMP®)
Vorstand für Kommunikation, Berufsverband der Pharmaberater e.V. Deutschland (BdP)
Lehrbeauftragter der FH Hannover
Im Januar 2009