Brief an Pharma-Relations  

Es scheint opportun zu sein, in allen Medien negativ über die pharmazeutische Industrie und ihre Repräsentanten im Außendienst zu berichten und mit diskriminierenden Äußerungen deren Arbeit zu verunglimpfen. Zuletzt wieder in der Talk-Sendung mit Maybrit Illner im ZDF, wo unter Beifall der Moderatorin und des Diskutantenkreises, leider auch incl. der Zuhörerschaft, ein Landarzt aus dem Bayrischen es sich erlauben konnte, zu behaupten, er brauche keine Außendienst- beratung, da die Damen und Herren des pharmazeutischen Außendienstes zu „gefühlten 100% Unsinn" redeten.

Es ist eigenartig, was man heute oft unter fairem Journalismus versteht, wenn immer wieder eine ganze Industriesparte, deren Exportmilliardenüberschüsse stets gerne angenommen wurden und werden, (denen bei Unterstützung von Spendenaufrufen oder bei Übergabe von Barschecks rote Teppiche ausgerollt werden) und deren Repräsentanten im Außendienst, die einen gesetzlichen Auftrag erfüllen, in solch infamer Art und Weise diskreditiert, lächerlich gemacht werden.

Die Außendienstler lernen bei ihrer Tätigkeit unzählige Ärzte aus Klinik und Praxis kennen, darunter phantastische Menschen und hervorragende Mediziner, aber leider auch viele Doktoren, denen es an menschlicher Qualität, auch fachlicher Eignung fehlt, über die jeder Außendienstler auch so seine Erfahrungen berichten könnte, die Doktoren kraft numerus clausus und wegen der erhofften Einkommen wurden. Es ist wohl in der Öffentlichkeit nicht bekannt, dass die Industrie für die ärztliche Fortbildung einen Antrag zur Absegnung bei der zuständigen Kammer stellen und dafür auch noch be"rappen" muss, unabhängig, ob die Veranstaltung stattfindet oder nicht! Vermutlich auch unbekannt, dass auf Ärztekongressen es tagelange Seminare gab und gibt speziell dazu, mit welchen Zifferkombinationen man möglichst viel Geld herausbekommt, die Referenten heute aber als selbst ernannte Pharmakritiker auftreten! Dass es Fortbildungspunkte gab für Veranstaltungen zum Thema: Brauchen wir Pharmaberater? Dass es Kassenrepräsentanten gab und gibt, die bitter darüber Klage führen, wie bei den Abrechnungen gemogelt wird. Dennoch würden Außendienstler niemals wie der Landarzt aus dem Bayrischen sagen, eine ganze Berufsgruppe spräche zu „gefühlten 100% nur Unsinn", was dann noch mit einem breiten Lächeln quittiert wurde!

Vielleicht sollte man Ärzte einmal fragen nach z.B. „Wann ist die beste Zeit, ein bestimmtes Medikament einzunehmen, um welche Uhrzeit ist ASS am besten wirksam und verträglich, welche pharmakodynamischen und pharmakokinetischen Eigenschaften haben die von ihm verordneten Arzneimittel, was ist zu beachten bei Medikamentengabe per Pflaster, welche der verordneten Arzneimittel werden über die Leber und welche über die Niere abgebaut, welche Medikament enthalten Laktose, warum werden Schilddrüsenhormone sowohl bei Über- als auch Unterfunktion der Schilddrüse eingenommen, wie ist bei übergewichtigen Patienten und wie bei Kindern zu dosieren, wie sind die Ausscheidungsverhältnisse bei alten Menschen?? welche Blutdrucksenker nicht und warum z. B. nicht mit bestimmten Antidiabetika oder anderen Medikamenten kombiniert werden dürfen, wann ein Medikament besser über die Niere oder Leber eliminiert werden sollte, dass 3x tgl. nicht morgens, mittags und abends heißt, sondern alle 8 Std.! etc. etc. Man müsste einmal diese Alleskönner und Besserwisser danach fragen! Warum wohl hat der ehemalige Finanzminister Steinbrück eindringlich vor drastisch gestiegenen Arzneimittelfälschungen und damit verbundenen Risiken gewarnt, was heute aktuell wieder thematisiert wird, von denen hinterbliebene Angehörige nie etwas erfahren ? Experten gehen von 20.000 Toten durch Arzneimittelwechselwirkungen und Falsch- oder Fehlanwen- dungen aus! Und da verweist Herr Gaalmann vom AOK-Bundesverband stolz darauf, 75% der Generika kämen aus Indien, welche durchaus therapierelevanten Zusatz- und Füllstoffe sind wohl darin enthalten? Sollte doch jeder Kritiker in den Anforderungskatalog der auch unter BdP-Mitwirkung gerade aufwendig novellierten Verordnung für den IHK-Abschluss der Fortbildung zum geprüften Pharmareferenten schauen, welcher Arzt kann alle diese Themen nur befriedigend beantworten?

Dass eine Anzahl von Arzneimitteln in Deutschland teurer ist als in anderen Ländern ist unbestritten, aber nach einer Studie sowohl der OECD als auch des zuständigen Ministeriums (also nicht von Pharmalobbyisten) liegen die Preise über das gesamte Sortiment im europäischen Mittelfeld, nicht gewusst, dass die Industrie nur 55% der Kassenausgaben für Arzneimittel „erhält", der Staat alleine durch die Mehrwertsteuererhöhung 1 Mrd. Euro mehr verursacht und einnimmt?? Dass im übrigen hier ein anderes Lohnniveau, auch bei Ärzten, herrscht, dürfte nicht unbekannt sein. Fernsehmoderatoren/Innen und Konzernmanager verdienen hier 6-7 stellige Jahreseinkommen, die voll über Gebühren der Bürger zwangsweise „eingetrieben" werden, anders als in vergleichbaren Positionen in Rumänien, Portugal oder Bulgarien! Kein(e)r hat darum ein schlechtes Gewissen! Wenn der Minister heute trotz seiner vollmundigen Ankündigung im vergangenen Jahr, das Gesundheitswesen werde auf jeden Fall nicht teurer, jetzt immer betont, es werde doch teurer, wie soll das bei Arzneimitteln anders sein? Übrigens hat das Ministerium von Dr. Rösler beim Vergleich der Ausgaben von 2009 zu 2008 festgestellt, dass für Arznei- incl. Verbandmittel 5,3%, für ärztliche Behandlung 7,4%, für stationären Aufenthalt 6,6%, (nächste Runde mit Demonstrationen schon eingeläutet!) für Kassenverwaltungs- kosten 8,1% !! mehr ausgegeben wurden, Lt. AOK-Institut sanken seit 1995 die Arzneimittelpreise um 10%, während die Gesamtgüterleistungspreise um 20% stiegen. Einfach übersehen oder nicht gewusst? Wohl kaum!! Warum fragt niemand kritisch nach, ob neben den Landesverbänden noch Bundes- und als Top sogar noch ein teurer Spitzenverband der Krankenkassen, der so überflüssig ist wie ein Kropf, notwendig sind. Oder ob wir überhaupt so viele Kassen mit teurem Personal, vor allem im Spitzenmanagement, benötigen.

Zum Schluss noch eine Anmerkung, den Journalisten, Politikern und Kassenrepräsentanten mag es gleichgültig sein, ob Mitarbeiter der Pharmaindustrie, die übrigens auch Familien haben, ihren Arbeitsplatz verlieren, wir sind aber erbittert darüber, wie wenig fair, dafür um so populistischer öffentlich dieser Themenkreis behandelt wird, warum wird nicht wenigstens auch ein Vertreter der Industrie oder der Pharmaberater hierzu geladen statt nur ein Mensch, der in Talk-Shows seinen großen Auftritt erlebt! Das ist kein fairer Journalismus, das ist Ideologie und grenzt an Polemik! Übrigens, Lobbyisten gibt es auch bei Krankenkassen, Ärzte- und Apothekerverbänden, auch Journalistenvereinigungen, die sich bei der Politik die Klinke in die Hand geben. Mögen alle Kritiker beten, dass Sie selbst niemals ein Erzeugnis der Pharmaindustrie selber benötigen! Übrigens, Der Außendienst würde sich auch über öffentlich gezeigte Solidaritätsbekundungen der Arbeitgeber, der pharmazeutischen Industrie, freuen!

Amtsärztlich geprüfter Heilpraktiker

Erhard Jörgens
Health-Manager-Pharma (HMP®)
Berater Vorstand BdP - Deutschland e.V.