Brief an AOK Brandenburg

AOK Berlin-Brandenburg
AOK-Forum - Herr Trinogga

14510 Teltow


- AOK-Forum Juli 2010

Sehr geehrter Herr Trinogga,

es ist immer wieder verwunderlich, mit welchem Eifer sich Journalistenkollegen mit der Pharmaindustrie beschäftigen, dabei werden oft Wahrheiten mit Halb- oder Unwahrheiten beliebig verknüpft und Zahlen genannt, die der Leser jedoch niemals in der Lage ist, auf ihre Richtigkeit nachzuprüfen. Ich erinnere mich dabei an eine Begebenheit, wo mir auf meine entsprechende Frage, wieviel Geld durch z. B. eine Arzneimittelpositivliste einzusparen sei, von einem namhaften Kassenvertreter geantwortet wurde, ca. 10% seien mindestens möglich. Auf welcher Grundlage das wohl errechnet sei, so meine Gegenfrage. Seine Antwort, unwidersprochen von den anwesenden Journalisten und mit Lachbeifall quittiert, er hätte genauso gut auch 15% sagen können.

Es bleibt auch stets seitens der Schreiber immer wieder bewusst unerwähnt, dass von den Arzneimittelausgaben der Kassen die Industrie selber nur ca. 55% „verursacht", bekanntlich entfällt knapp die zweite Hälfte komplett auf andere Verursacher, nicht zuletzt den Staat!

Der Kommentar von Herrn Weiss zur Relation des Endpreises eines Arzneimittels zum Roh- stoffwert ist selten dümmlich! Eine Erläuterung dazu ist wirklich überflüsssig, als ob der Aus- sagewert einer journalistischen Formulierung vom Körpergewicht des Autors abhinge oder der Automobilendpreis vom Rohstoffwert! Herrn Weiss scheint es auch unvorstellbar, dass die chemisch-pharmazeutische Industrie genauso vom Absatz abhängig ist wie jede Branche und jedes Journalisteneinkommen, beides ist im übrigen bzgl. der Höhe in Deutschland auch wesentlich anders zu bewerten als im Ausland. Das gilt ebenso für Einkommen von Kassen- repräsentanten und Politikern!

Soll Herr Weiss doch bitte einmal Namen nennen, welche „Topleute" aus der Pharmaindustrie eine solche „Vulgärsprache" wie „ Marketingmix ins Gesicht der Ärzteschaft kotzen, und die schlucken das" verwandt haben. Populistisch etwas in die Welt setzen kann man vieles! Wir fragen uns auch, wie und auf welcher Basis dann z. B. das Statistische Bundesamt, wohl frei von Pharmalobbying, errechnen kann, dass im Durchschnitt die Arzneimittelpreise in Deutschland absolut im europäischen Mittelwert liegen, wie machen die solche Berechnung?? Beim Einsatz von Generika sind wir schon Weltmeister! Nebenbei bemerkt, neue Forschungsergebnisse beziehen sich nicht nur auf grundsätzlich neue Wirkstoffe, auch Weiterentwicklungen gehören dazu, ob Herr Weiss schon einmal davon gehört hat? Es ist auch inakzeptabel, bei den zehn größten Pharmaunternehmen von „notorischen Gesetzesbrechern" zu reden, die ununterbrochen vor Gericht stehen.

Zum Schluss noch eine Anmerkung: Pharmaberater erfüllen einen gesetzlichen Auftrag, wahrscheinlich gäbe es ohne sie noch viel mehr Krankenhauseinweisungen und Todesfälle durch falsche Anwendung von Arzneimitteln seitens der Anwender! Möge ein gütiges Geschick Sie und Herrn Weiss davor bewahren, jemals Forschungsergebnisse der Pharmabranche nutzen zu müssen.

Mit freundlichen Grüßen

Erhard Jörgens